Wirtschaft und Politik

Wirtschaft

Von 1929-1933 litt Australien unter der Weltwirtschaftskrise. Die Abhängigkeit von Weizen- und Wollexporten begann sich zu rächen: Als die Preise weltweit nachgaben, stieg die Arbeitslosigkeit und besonders Haushalte mit niedrigen Einkommen kamen in Existenznöte. Hatte sich Australien lange Jahre ganz auf seine Landwirtschaft und den Export agrarischer Produkte verlassen, so begann man nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Aufbau einer Industrie, die jedoch bis heute weitgehend auf dem reinen Abbau und Export von den reichlich vorhandenen Rohstoffen basiert. Bei der Uranförderung gerät die Regierung in Gewissensnöte: Da die Vorkommen oft in den Reservaten der Ureinwohner liegen, sind lange Verhandlungen nötig. Australien selbst betreibt kein einziges Kernkraftwerk kommerziell, es existieren zwei kleine Forschungsreaktoren in Lucas Heights (30 km von Sydney). Die 1990er-Jahre waren von einer Konsolidierung und Öffnung der Wirtschaft geprägt. Maßgeblichen Anteil daran hatte die Labour-Regierung unter Paul Keating, die eine breite Privatisierungsoffensive staatlicher Betriebe durchgesetzt hat. Die Kooperation mit den südostasiatischen und südpazifischen Staaten wurde durch die Mitgliedschaft und Stärkung der APEC (Asian Pacific Economic Cooperation) gestärkt.

Im letzten Jahrzehnt bis in die jüngste Zeit treffen immer wieder Dürreperioden oder Überschwemmungen die Landwirtschaft, während die Metropolen von einem Bauboom und vom Rohstoffhunger Chinas profitieren. Die globale Finanzkrise im Jahr 2008 traf Australien kaum – ganz im Gegenteil: Dank eines hohen Zinsniveaus, politischer Stabilität und guter Zukunftsprognosen wurde Geld bevorzugt in sicheren „Aussie-Dollars“ angelegt. Viele Jahre ohne nennenswerte Rezession sind eine stolze Bilanz, doch es lauern Gefahren: Ein hohes Preisniveau im Inland und Exportprobleme heimischer Produkte sind die Folge. Seit 2010 leidet auch der Tourismus unter der Dollarstärke und der Hochpreisigkeit: für die 'Locals' ist es oftmals günstiger, den Urlaub in Bali oder in den USA zu verbringen, als im eigenen Land.


Politik

In Australien gibt es zwei große Parteien, die Australian Labour Party und die Liberal Party (Nachfolgerin der United Australia Party). Die Labour Party wurde bereits 1891 gegründet. Die Liberalen lassen sich mit den konservativen Parteien anderer Länder vergleichen. Hinzu kommen einige politische Unabhängige mit geringer Bedeutung für die Landespolitik.

1927 wurde Canberra Regierungssitz und Hauptstadt Australiens. Einen ersten wirtschaftlichen Aufschwung erlebte Australien in den 1950er- und 1960er-Jahren unter konservativer Führung. Erst 1972, nach 23 Jahren der Opposition, gelangte wieder eine Labour-Regierung an die Macht. Ihr damaliger politischer Führer war Gough Whitlam. Trotz breit angelegter Reformen (Abschaffung der Wehrpflicht, Sozialgesetzgebung) wurde die Wahl 1975 gegen die konservative liberale Partei verloren. Whitlam hatte schlecht gewirtschaftet und Australien hoch verschuldet. Zahlreiche Skandale und die Wirtschaftskrise Anfang der 1970er-Jahre taten ein Übriges.

Mit der Liberal Party regierte Malcolm Fraser bis 1982 und baute in dieser Zeit Australiens Wirtschaft aus, bis auch ihn die Rezession der 1980er einholte. Zu den wirtschaftlichen Problemen kamen Dürrekatastrophen. So wechselte die Führung des Landes abermals 1983, diesmal war es Bob Hawke, der die Labour Party zum Wahlsieg führte. Hawke war bei der Bevölkerung außerordentlich populär, stellte er doch den typischen, sehr volksnahen Australier dar. Er vertrat eine stärkere Bindung zu den USA und verkündete eine Loslösung von der britischen Krone. Unter ihm beendet 1986 der Australia Act alle Exekutiv- und Legislativrechte Großbritanniens in Australien. 
1988 feierte Australien die Ankunft der ersten Flotte (26. Januar 1788) den 200. Geburtstag. Die damit verbundenen Hoffnungen, Großbritannien würde die Zügel aus der Hand geben, erfüllten sich nicht: Australien ist noch immer konstitutionelle Monarchie, die Königin von England ist noch immer auch die Königin von Australien. Zwar wird bei offiziellen Anlässen 'God Save The Queen' seit 1984 nicht mehr gesungen, bei privaten Feiern und unbedeutenden Anlässen jedoch kann die Lobeshymne auf die Queen noch gehört werden. Im Dezember 1991 übernahm der frühere Finanzminister Paul Keating (Labour-Partei) nach einer Kampfabstimmung das Regierungsruder von seinem Vorgänger Bob Hawke.

John Howard, Premierminister seit 1996, sorgte für eine Überprüfung der Aborigine-Landrechte: Bodenschätze sollen weiterhin abgebaut werden dürfen, Minengesellschaften leichter an Abbaurechte gelangen. Die radikale rechte Partei 'One Nation' versuchte Profit aus einem latent vorhandenen Rassismus zu ziehen. 1999 entschied das australische Volk mit knapper 55-%iger Mehrheit, dass die Queen weiterhin das Staatsoberhaupt Australiens bleibt.

2000 präsentierte sich Australien nach ausschweifenden Millenniumsfeuerwerken bei den Olympischen Spielen in Sydney von seiner allerbesten Seite und gewann weltweit neue Fans und Freunde. Im Jahr 2003 folgte Australien den US-Amerikanern in den Irak-Krieg, entgegen aller Bevölkerungsproteste. Bedeutsam ist das Freihandelsabkommen, das im selben Jahr mit China geschlossen wurde. Australien erhielt dadurch als eines der ersten Länder überhaupt unbeschränkte Exportrechte für den größten Wachstumsmarkt der Welt.

Im Herbst 2007 verlor die Regierung von John Howard die Parlamentswahlen. 
Kevin Rudd wurde Premierminister einer Labour-Regierung. Die neue Regierung verkündete Änderungen in der Sozial- und Umweltpolitik, setzte auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit den pazifischen Nachbarn und entschuldigte sich erstmals offiziell bei den Aborigines für das ihnen durch weiße Australier zugefügte Unrecht, was Howard stets abgelehnt hatte. Ein eindrucksvoller Wirtschaftaufschwung erfasst das Land: Australien besitzt das, was die wachsende Weltbevölkerung begehrt: Rohstoffe. Rudd erfuhr heftigen Gegenwind, als er mit Hilfe einer CO²-Steuer Australien vom Ruf des Klimakillers befreien wollte und eine Steuer auf Profite im Bergbau einführen wollte. Der Aufschwung wurde 2009 durch die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise jäh, aber nur kurz gebremst. Nach innenpolitischen Querelen übernahm Labour-Frau Julia Gillard 2010 den Posten der Parteichefin und der Ministerpräsidentin. 
Im September 2013 gewannen die Konservativen unter Tony Abbott die Macht im Land zurück. Als eine der ersten Maßnahmen macht er die CO²-Steuer rückgängig.

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