Die Ureinwohner Australiens

Ureinwohner Australiens - Aboriginal
Ureinwohner Australiens - Aboriginal

Vor über 60.000 Jahren besiedelten als erste Nomadenstämme den australischen Norden. Sie kamen über die damals noch existente Landbrücken. Vermutlich begann die Besiedlung von Neuguinea aus. Die Aboriginal People, wie die Ureinwohner genannt werden, entwickelten durch die Jahrtausende lange isolierte Lage Australiens eine eigene Kultur.

Als Nomaden zogen sie durch das Land oder lebten in Höhlen und unter Felsüberhängen. Das Land wurde nie im heutigen Sinne bewirtschaftet. Die Nutzung erfolgte durch kontrollierten Abbrand, einer Urform der Landwirtschaft. Der Begriff des Eigentums war nicht bekannt. Das Land wurde genutzt und gehütet, jedoch nicht besessen. Stets wiederkehrende Gewohnheiten im Umgang mit der Natur wurden streng befolgt.

Vor der Besiedlung durch den 'Weißen Mann' lebten die Ureinwohner auf der Terra Australis ('Land im Süden') ungestört von äußeren Einflüssen. Schätzungen über die tatsächliche Zahl der Bewohner schwanken zwischen 300.000 und einer Million. Es gab einst fast 300 verschiedene Sprachen und Dialekte. Davon werden heute lediglich noch rund 70 von größeren Gruppierungen gesprochen.

Malerei und Tanz

Dot Painting
Dot Painting

Da die Schriftform unbekannt war, waren Schnitzereien, Felsbilder und Rindenmalereien die bevorzugten Ausdrucksmittel der australischen Ureinwohner. Ein typisches Merkmal ihrer Malerei ist die Verwendung von Erdfarben, Holzkohle und Tonerde sowie die Reduktion auf einzelne Punkte (Dot Paintings). Weiter sind Felsmalereien mit figürlichen Darstellungen zu finden.

Musik und Tanz werden in gemeinschaftlichen 'Coroborees' ausgedrückt. Ihre Tänze stellen Traumzeitwesen, Jagd und Fruchtbarkeit dar. Rhythmisches Klopfen mit Schlaghölzern und das bekannte Didgeridoo – eine aus ausgehöhlten Eukalyptusstämmen hergestellte Basspfeife – begleiten die Tänze in monotoner, tranceähnlicher Weise.

Dreamtime

Weil nur mündlich von Generation zu Generation weitergegeben, sind Traumzeit-Geschichten nur in Fragmenten überliefert. In der endlosen Traumzeit wurden Tiere, Menschen, Pflanzen, das Land und spirituelle Wesen erschaffen und stehen seitdem in enger Verbindung zueinander. Aus diesem Beziehungsgeflecht entstanden Gesetze, Rituale, Kunst und Sprachen. Zauber und Magie sind dabei ein wichtiger Teil des Glaubens. Die Aboriginal People glauben, dass jede Person ein Abkömmling eines Tieres oder einer Pflanze ist.

Einfluss der europäischen Siedler

Mit den ersten Sträflingstransporten der Briten ab 1788 und dem Zustrom von Siedlern, kam es zu den ersten, meist feindseligen Kontakten. Die kulturellen Gegensätze hätten nicht größer sein können, 'Steinzeit' und 'Zivilisation' wurden miteinander konfrontiert. Für die Aboriginal People begann das traurigste Kapitel ihrer langen Geschichte. Sie wurden gejagt, getötet oder versklavt und als Menschen zweiter Klasse behandelt. Rücksichtslos wurde den Aboriginal People weiterhin das Land enteignet.

Von 1910 bis in die 1970er Jahre wurden tausende Mischlingskinder in Pflegefamilien und Missionsstationen untergebracht oder zur Adoption freigegeben. Sie sollten zu 'weißen Werten' umerzogen werden. Die Regierung Australiens entschuldigte sich erst 2008 offiziell bei der 'Stolen Generation'.

In den 1960er Jahren erfolgte langsam ein Umdenken in der australischen Gesellschaft, so wurden den australischen Ureinwohnern das Wahlrecht zuerkannt und sie wurden bei Volkszählungen erfasst. Im 1976 beschlossenen 'Aboriginal Lands Right Act' wurden den Aboriginals traditionelle Stammesgebiete und wichtige Heiligtümer zurückgegeben. 
Durch die Mabo-Entscheidung von 1992 und das Wik-Urteil von 1996 erhielten die Ureinwohner einen Anspruch auf Ländereien in öffentlichem Besitz (z.B. Nationalparks), sowie auch auf diejenigen, die von privaten Pächtern genutzt werden. Der Zutritt zu heiligen Stätten und zu traditionellen Jagd- und Fischfanggebieten wurde rechtlich abgesichert.

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